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Wenn die eigene Wohnung krank macht

Lösungsmittel, Formaldehyd oder Schimmelbefall: Schadstoffe in Innenräumen können der Gesundheit schaden. Oft bleiben die Ursachen für Beschwerden lange unerkannt


Achten Sie beim Renovieren auf schadstoffarme Farben, Lacke und Baumaterialien

Gesund wohnen möchte wohl jeder gerne. Aber nicht in jeder Wohnung ist die Luft auch rein. Eine der häufigsten Ursachen für Schadstoffe in der Wohnungsluft ist Zigarettenrauch, aber auch Baumaterialien, Farben, Lacke, Bodenbeläge und Möbel können Schadstoffe ausdünsten. „Die Ursache für umweltmedizinische Erkrankungen ist oft im Wohnumfeld zu finden“, sagt Dr. Monika Schulze, Leiterin des Umweltmedizinischen Zentrums am Klinikum Augsburg. Gesundheitlich bedenkliche Stoffe sind zum Beispiel Lösemittel, Weichmacher, Holzschutzmittel oder Formaldehyd.

Kopfschmerzen, brennende Augen, gereizte Atemwege, Übelkeit, Schwindel oder Müdigkeit: Wenn die eigene Wohnung krank macht, sind die Symptome meist schwer zu deuten. Oft vermuten die Bewohner zunächst eine Grippe oder Stress hinter den Beschwerden. Ist die Ursache dann endlich erkannt, lautet die erste und wichtigste Regel: raus mit der Schadstoffquelle!


Schimmelbefall

Nicht immer lösen giftige Substanzen in Bauprodukten oder Möbeln die Beschwerden aus. Oft ist schlicht die Feuchtigkeit in Innenräumen zu hoch und es kommt zum Schimmelbefall. „Chronische Belastungen durch Schimmelpilze sind besonders häufig“, sagt Professor Thomas Eikmann, Leiter des hessischen Zentrums für klinische Umweltmedizin und Direktor des Instituts für Hygiene- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Gießen. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder, chronisch kranke oder alte Menschen reagieren empfindlich auf Schimmelpilzsporen. Mit bloßem Auge seien diese oft nicht erkennbar, denn nicht immer hinterlasse Schimmel hässliche Flecken – oder dicht an Wände gerückte Möbel verdecken die befallenen Stellen. Auch auf die eigene Nase könne man sich in puncto Schimmel nicht unbedingt verlassen – es kann, aber muss nicht muffig riechen.

„Symptome für eine durch Schimmel hervorgerufene Erkrankung können Schnupfen, Atemwegsbeschwerden, Nasennebenhöhlenentzündungen, chronische Bronchitis, Kurzatmigkeit bis hin zu Asthma oder Allergien sein“, beschreibt Internistin Schulze die Anzeichen.

Woher kommen Innenraum-Schadstoffe?

Wohngifte können ganz verschiedene Quellen haben und sich in beinahe allen Bereichen der Wohnung verbergen: „Es gibt Tausende Chemikalien, die Gesundheitsstörungen hervorrufen können, darunter viele neue, in ihrer Wirkung noch unbekannte Substanzen“, sagt Umweltmedizinerin Schulze. Bauprodukte enthalten eine Vielzahl organischer und anorganischer Verbindungen, die durch Abrieb, Ausgasung, Auswaschung, Korrosion oder Strahlung die menschliche Gesundheit gefährden können, heißt es vom Umweltbundesamt. Viele Baustoffe seien zudem bis dato nicht ausreichend toxikologisch untersucht.

Flüchtige organische Verbindungen werden zum Beispiel aus Lösemitteln in Farben, Teppichen oder Möbeln abgegeben. Meist verflüchtigen sich die Gase innerhalb weniger Wochen, können in dieser Zeit aber dennoch zu Schleimhautreizungen oder Kopfschmerzen führen, selbst wenn sie nicht giftig sind. Es gibt aber auch schwerflüchtige Substanzen, die über Jahre oder sogar Jahrzehnte die Wohnungsluft verpesten. „Alte Holzschutzanstriche wie Lindan, DDT oder Pentachlorphenol (PCP) haben sich als toxisch herausgestellt und sind inzwischen verboten. Aus alten Möbeln oder Gebäuden können die Gifte aber immer noch ausdünsten“, sagt Monika Schulze.

„Ein sehr bekannter Innenraumschadstoff ist Formaldehyd. Es wird als Bindemittel in Spanplatten verwendet und kann in Möbeln, Paneelen oder Fertigparkettböden vorkommen“, ergänzt Eikmann. Dank verschärfter Grenzwerte für die Formaldehyd-Konzentration in Holzwerkstoffen seien die Gesundheitsbeeinträchtigungen wie brennende Augen, Kopfschmerzen oder gereizte Atemwege zwar rückläufig. In Räumen, in denen viele Spanholzmöbel verbaut seien, könne es aber in der Summe immer noch zu Reizungen durch das möglicherweise krebserregende Gas kommen.

Bei Verdacht: Raumluftmessung

Bei begründetem Verdacht können Raumluftmessungen Aufschluss darüber geben, ob die Schadstoffbelastung wirklich gefährlich erhöht ist. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Arzt ein gutes Labor empfehlen oder wenden Sie sich an die „Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute“ (AGÖF). In diesem Dachverband organisierte Firmen haben sich zur Einhaltung von Qualitätsstandards verpflichtet. Auch Umweltmedizinische Ambulanzen und Kliniken bieten Messungen an. Die Kosten können je nach Labor und zu prüfender Substanz stark variieren und recht schnell ins Geld gehen. Ein schriftlicher Kostenvoranschlag schützt vor bösen Überraschungen.

So beugen Sie vor

Oft treten gesundheitliche Beschwerden nach Renovierungsarbeiten oder dem Kauf neuer Möbel auf. Selbst Naturholzmöbel können belastet sein. Damit Sie den Wohngiften nicht auf den Leim gehen, sollten Sie beim Renovieren auf schadstoffarme Farben, Lacke, Kleber und Baumaterialien achten. Das Umweltzeichen „Blauer Engel“ zeichnet besonders emissionsarme Produkte aus. „Lüften Sie während und nach der Renovierung mehrere Wochen gut durch, damit die flüchtigen Substanzen schnell abgebaut werden, und lassen Sie neue Möbel nach Möglichkeit zwei bis vier Wochen in einem Raum ausdünsten, in dem Sie nicht schlafen“, rät Umweltmedizinerin Schulze. Regelmäßiges Lüften vermeidet auch die Schimmelbildung und trägt damit maßgeblich zu einem gesunden Raumklima bei.



Simone Herzner / www.apotheken-umschau.de; 20.02.2012
Bildnachweis: Thinkstock/Ablestock

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